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Interview mit Stefan Lenz im +Performance – Das Magazin für das individuelle Geschäft

Stefan Lenz ist Zahlungsverkehrsspezialist und begleitet die Softwarepartner und Kunden von PostFinance bei der Umstellung auf die ISO-20022-Formate. Der Startschuss zur Harmonisierung ist zwar schon gefallen, auf dem Weg zum harmonisierten und standardisierten Zahlungsverkehr gilt es aber noch einige Hürden zu nehmen. Das gilt für Softwarepartner, Unternehmen und die Finanzinstitute.

Stefan Lenz, Sie stehen fast täglich mit Unternehmen und Finanzinstituten in Kontakt. Wo drückt der Schuh?

Wir sind wesentlich weiter als vor einigen Jahren. Dies, weil man mit ISO 20022 von einem Zahlungsverkehr sprechen kann, auf dessen Basis weitere gemeinsame Implementierungen möglich sind. Mit ISO 20022 entsteht auch Mehrwert: Beispielsweise mit der neuen Statusmeldung «pain.002». Sie bringt wesentlich mehr Prozesssicherheit bei Überweisungen oder Lastschriften. Allerdings ist man sich vielerorts noch nicht bewusst, welche Konsequenzen die Harmonisierung auf die Geschäftsprozesse und Applikationen hat.

Das heisst?

Von der Harmonisierung sind verschiedene Systeme für Debitoren, Kreditoren, Lohnbuchhaltung und die Bewirtschaftung des Hauptbuchs betroffen. Auch Schnittstellen, Drucker und Scanner müssen angepasst werden. Hier ist es jetzt höchste Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen: Was bedeutet die Harmonisierung für die eingesetzte Software, wie ist die Hardware davon betroffen?

Welche Bedeutung haben die jeweiligen Softwarepartner?

Ich gehe davon aus, dass kein Softwarepartner ausschliesslich wegen ISO 20022 einen Release produziert. Diese Anpassungen kommen immer in einem Paket mit. Da stellt sich stets die Frage, was die Kunden erwarten? Letzten Endes geht es also über die Kunden, die einen integrierten Zahlungsverkehr fordern müssen. Natürlich leisten auch Banken und insbesondere PostFinance Unterstützung. Wir begleiten die Softwarepartner sehr eng und stellen alle wichtigen Informationen zur Verfügung.

Mit welcher Unterstützung können Unternehmen rechnen?

Wenn sie eine Eigenentwicklung einsetzen, sind sie in einer vergleichbaren Rolle wie Softwarehersteller und können nicht darauf vertrauen, dass dieser ihnen einfach ein Update zur Verfügung stellt. Die Unternehmen müssen die neuen Zahlungsverkehrs-Meldungen in XML selbständig implementieren und testen. Auch hier bietet zum Beispiel die Webseite von PostFinance die nötigen Hilfsmittel und Dokumentationen.

Ausserdem stellt PostFinance ihren Kunden eine umfassende Testplattform zur Verfügung, auf der die neuen Formate getestet werden können. Dazu gehören diverse Anleitungen, sowie die Beschreibung von konkreten Testfällen, die durchgespielt werden können. Mit diesem «Rundumwohlfühlpaket» kann der Kunde seine Umstellung schon sehr gut vorbereiten und sicher gehen, dass die Dateien mit den neuen Meldungstypen korrekt verarbeitet werden.

Was bleibt, trotz aller Unterstützung durch PostFinance und Softwarepartner, für den Unternehmer zu tun?

Als Geschäftskunde muss ich mir einfach bewusst sein, dass eine rechtzeitige Auseinandersetzung mit der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs unerlässlich ist. Ich muss mich dem Thema aus eigener Initiative annehmen und zumindest mal die Auswirkungen im Unternehmen analysieren. Dann empfiehlt es sich, rasch Kontakt mit den Softwarepartnern und den Finanzinstituten aufzunehmen, um das weitere Vorgehen zu planen.

Das bedeutet erst mal zusätzlichen Aufwand für die Unternehmen. Was bringt die Harmonisierung der Formate denn konkret?

Mit ISO 20022 erreichen wir grundsätzlich wesentlich mehr Prozesssicherheit und Effizienz im Zahlungsverkehr. Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs ist wesentlich mehr als eine technische Migration – sie bietet das Potenzial für eine digitale Integration. Das ist sicher im Interesse der gesamten Wirtschaft. Als Unternehmer kann ich mich mit dem neuen Standard darauf verlassen, dass Zahlungen innert der erforderlichen Fristen abgewickelt werden und dass Nachforschungen wesentlich effizienter ablaufen. Ohne ISO 20022 kann ich mich nicht darauf verlassen, dass das Geld zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Insofern hilft mir der neue Standard auch, die Liquidität meiner Firma besser zu steuern.

«Wissen ist heute nicht mehr Macht sondern Können: Unsere praktischen Erfahrungen publizieren wir in Fachbeiträgen von modernen Medien.»